Freitag, 12. Juni 2015

Das Grab der Königin Gertrud Anna von Habsburg (1225-1281)



Bild: Mike Stoll, Quelle: baselinsider.ch

Wenn man die Treppen hinter dem Altar und Chor hinaufsteigt, kommt man zu verschiedenen Gräbern. Ganz links ist das Grab der Königin Anna von Habsburg (1225-1281), Frau des Königs Rudolf v. H. (1218-1291), das sie sich mit ihrem Sohn Karl, der bei ihr liegt, teilt.

 

Königin Anna v. H. und ihr Sohn Karl


Karl (geb. und ges. 1286), der vierte Sohn Annas, stirbt nur sechs Monate nach seiner Geburt in Rheinfelden, wo Anna mit ihren Kindern wohnt. Ihr Sohn wird im Münster beerdigt. Sie zieht zurück nach Wien wo sie im Februar 1281 stirbt; kurz vor ihrem Tod entscheidet sie sich für Basel als ihre Grabstätte. Doch nicht nur die Nähe zu ihrem Sohn hat sie wohl dazu bewogen dort ihre letzte Ruhestätte zu wählen: Rudolf wollte Basel schon jahrelang zum Verwaltungs- und Wohnsitz seines Hausgutes machen. Mit Basel als Begräbnisort erlangte sie die Gunst der Stadt für ihren Mann, denn die Basler Bevölkerung soll sie mit viel Sympathie für ‘ihre Königin’ verabschiedet haben (wie die schöne Bemalung des Grabes bezeugt). Ein weiterer Grund, weshalb sie Basel als Begräbnisstätte gewählt hat, war, dass sie sühnen wollte was ihr Mann der Stadt angetan hatte (siehe unten: Fehde).

 

 Annas Sohn Hartmann und näheres zur Geschichte des Grabs


Annas zweiter Sohn, Hartmann (1263-1281), liegt ebenfalls im Münster begraben. Er ertrank im Rhein nach einem Schiffsbruch nahe Basel. Das Erdbeben 1356 zerstörte sein Grab, seine Überreste wurden ins Grab seiner Mutter und seines Bruders verlegt. Nach dem Erdbeben wurde das Grab von seinem ursprünglichen Platz hinter dem Grabaltar des Chors zum heutigen Standort an der nördlichen Chorflanke verschoben. Ende des 18. Jh. wurden dann die Überreste der drei Habsburger nach St. Paul im Lavanttal (Kärnten, Österreich) transferiert, weil der Fürstabt Martin II. Gebert von St. Blasien der Meinung war, dass sie auf katholischem Boden ruhen sollten (seit Anfang des 16. Jh. war Basel protestantisch), damit ihnen dort das traditionelle Totengedenken  zuteil werde.

 

Kunstgeschichtliche Beschreibung


Der Sarkophag beeindruckt in Motiv und Stil und ist von grossformiger Eleganz, Kunsthistoriker zählen ihn zu den edelsten Exemplaren der gotischen Plastik.
Auf dem Grab befinden sich verschieden Skulpturen:
- Die mit krabbenbesetzten Kielbogen oberhalb der Köpfe der Begrabenen sitzen auf schlanken Rundstäben mit Efeukapitellen.
- Die beiden Figuren werden, obwohl sie liegen, als stehend behandelt. Annas Haupt liegt auf zwei Kissen, ihre Hände wurden später fehlerhaft renoviert: sie dürften nicht senkrecht vom Körper abstehen, sondern aufwärts gestellt an der Brust liegen. Ebenfalls falsch ist die Haltung der Hände: sie müssten Fläche an Fläche liegen und dürften nicht gewölbt sein.
- Die Kleidung: Anna trägt einen Mantel, der über den Schultern verbunden ist, darunter trägt sie ein einfach gegürtetes Kleid aus dünnem Stoff mit schlichtem runden Ausschnitt. Es zieht sich mit wenigen Falten über die flache Brust, die ein typisches Merkmal der Gotik ist. Das Unterkleid erscheint erst wieder unter dem Mantelsaum bei den Füssen, mit tiefen Furchen am Boden hingeschleppt. Die Draperie gilt als Werk sehr raffinierter Kunst, vor allem wegen der Genauigkeit des Falls des Mantels.
- Die Füsse stehen auf einer halbrunden Platte, die auf der Kehrseite mit einem schönen Blattornament ausgeschmückt ist.
- Der Gesichtsausdruck der Fürstin wirkt eher leidend (vor allem wegen der bestossenen Lippen), ansonsten sind ihre Gesichtszüge aber klassisch gotisch: die hohe Stirn und die Augen, die kaum vom restlichen Gesicht erhoben sind.
- Der Knabe trägt widersprüchlicherweise viel individuellere Züge als die Mutter, obwohl er im zarten Alter von 6 Monaten starb. Auch sein Gesicht entspricht den Schönheitsempfindungen des gotischen Zeitalters. An seine Füsse ist ein Schild mit Habsburger Wappen gelehnt, das sehr präzise ausgeschmückt ist.
- Ursprünglich war das Ganze bemalt, Spuren davon sind an den Säumen und Furchen des Mantels und an den Kissen zu finden.
Verschiedene Hinweise deuten daraufhin, dass das Grab der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zugeordnet wird (also noch vor dem Erdbeben um 1356).
Ähnlichkeiten weist das Grab mit der Statue der Kaiserin Kunigunde am Hauptportal des Münsters auf.

Beziehung Haus Habsburg – Basler Bistum: Fehde zwischen dem Haus Habsburg und dem Basler Bischof


1268 stand Rudolf mit dem Bischof von Basel, Heinrich von Neuenburg (1262-1274), in Fehde (es war nicht die erste). Beide erweiterten mit Erfolg ihre Territorien, wodurch sich Reibungsfläche ansammelte. 1272 spitzte sich der Konflikt zu, als die Bürger der Stadt Neuenburg am Rhein wärend eines Konflikts mit ihrem neugekrönten König den Basler Bischof um Hilfe riefen. Dieser liess die gräfliche Burg besetzen, worauf die Freiburger Grafen den Habsburger und andere zu Hilfe riefen. Diese richteten ein regelrechtes Massaker in Neuenburg an (auch Basler Besetzer waren unter den Opfern). Der Basler Bischof schlug sofort zurück und liess mehrere habsburgische Dörfer im Elsass zerstören, auch vor Klöstern wurde kein Halt gemacht. Rudolf reagierte wiederum sehr gewaltvoll, indem er nicht nur ein Kloster in Basels Umgebung brandschatzte, sondern gleich noch Basels westliche Vorstadt (heutiges St. Johann) mit Unterstützung einer Fraktion der zuvor aus der Stadt vertriebenen Bürgerschaft angriff.
1273 folgte dann die Belagerung Basels, nachdem Rudolf von seiner Königswahl erfahren hatte. Es konnte ein Waffenstillstand ausgehandelt werden, und danach lebten das Haus Habsburg und das Bistum Basel mehr oder minder gut miteinander, später folgte sogar eine nachhaltige Aussöhnung. Basel war die ideale Lage als einer der Hauptschauplätze von Rudolfs Herrschaft: es lag im Zentrum seiner Hausgüter und an der Achse des Rheins bis Köln.

Quellen
Arnet, T., Das Basler Münster, Ein Münsterführer ohne Bilder, Eigenverlag, 2007?
Spicher E. und Schmid, M., Geschichte des Basler Münsters Basel, 1999
Beide Bücher/ Hefte habe ich im Münster gefunden


Dorothea Wiebecke

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen