Freitag, 12. Juni 2015

Der Fall Valens Mucapora

Das für normale Bürger unzugängliche Lapidarium beherbergt ebenfalls seine Schätze. Doch nur denen, die den Schlüssel zu dieser unterirdischen Sammlung besitzen (oder ihn sich am Kiosk des Basler Münsters ausleihen) ist es vorbehalten, uralte Gedenktafeln und sogar Fragmente der ehemaligen römischen Stadtmauer zu studieren. Dabei ist besonders die äusserst verkommene und dem Sohn des Mucapora gewidmete Steintafel äusserst lesenswert. Sie wurde in der heutigen Rittergasse Nr. 4 gefunden. Auf lateinisch geschrieben steht auf ihr zu lesen:

D(is) M(anibus) VALENTIS MV
CAPORE FIL(ii)
ANN(orum) XIII MV
CAPORA VETE
RAN(us) PAT(er) P(onendum) C(uravit)


Eine von einem Basler Wissenschaftler angefertigte Übersetzung, die neben dem Grabstein angebracht ist, macht uns den Text im 21. Jahrhundert verständlicher:

Den Manen/Totengeistern des Valens, Sohn des Mucapora
13 Jahre alt,
Hat Mucapora, der Veteran, Sein Vater,
(diesen Stein) setzen lassen

Nur 13 Jahre lang weilte der junge Valens Mucapora auf der Erde. Über den Valens selbst ist kaum etwas bekannt, dafür hat man bis heute schon einiges über seinen Vater in Erfahrung gebracht. Dieser war unter dem Namen Veteranus Mucapora bekannt und lebte gemeinsam mit Valens im 2. Jahrhundert nach Christus. Er stammte von einem indogermanischen Volk des Balkans, den sogenannten Thrakern. Veteranus Mucapora diente in der römischen Armee, zunächst in einer Hilfstruppe in Germanien, anschliessend liess er sich bei Augusta Raurica nieder, wo er allem Anschein nach einen Sohn zeugte, den er vermutlich nach einem höheren Offizier benannte: Valens. Die Mutter bleibt das fehlende Glied in der Familie; es gibt keine weiteren Überbleibsel der Familie Mucapora aus Augusta Raurica. Und so bleibt der Grabstein das letzte Relikt, das sie vor der Vergessenheit bewahrt.
Tim Altermatt


Quelle: http://www.zora.uzh.ch/86431/1/hartmann_%282013%29_die_epigraphische_kultur_der_r%C3%B6mischen_kolonie_augusta_raurica.pdf


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